Wofür steht Vendetta

Vendetta – die Blutrache im Mittelalter und Heute

Der Begriff „Vendetta“ leitet sich aus dem lateinischen „Vendicta“ ab, was soviel wie Rache oder Strafe bedeutet. Im Wesentlichen bringt man mit einer Vendetta die Tötungen innerhalb einer mafiösen Vereinigung in Verbingung, aber der Begriff der Blutrache reicht bis in frühgeschichtliche Zeiten zurück.

Die Blutrache in der Frühgeschichte

vendetta Diese Art der Rechtsprechung spielte bei allen großen Völkern eine bedeutende Rolle, galt sogar als oberster Grundsatz der Bestrafung. Dem sog. „Bluträcher“ oblag es, die Tötung eines nahen Familienmitglieds durch die eigene Hand am Täter oder dessen Familie zu vergelten.

Bei den Römern war die „Rache des vergossenen Blutes“ eine in der Gesellschaft etablierte und völlig anerkannte Art der Rechtspflege. Die Verfahrensweise wurde durch eine sehr strenge Auslegung des Talion durchgeführt, im Wesentlichen hieß das „Gleiches mit Gleichem“ zu vergelten oder das „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Prinzip. Großen Bekanntheitsgrad hat hier das „Auge um Auge, Zahn um Zahn…“ das aus der jüdischen Rechtssprechung stammt. Im Judentum hatte der unabsichtliche Mörder jedoch die Möglichkeit in sogenannte Freistätten zu fliehen und sich dort solange aufzuhalten, bis der Blutbann aufgehoben wurde. Der absichtliche Mörder jedoch wurde vom Gericht an die Familie des Getöteten überstellt und war somit deren Rache ausgeliefert.

Bei den Griechen galt die Blutrache für die vorsätzliche und unvorsätzliche Tötung eines Menschen und man konnte ihr nur entkommen, wenn man entweder ein Schutzgeld zahlte oder floh und in einem anderen Land um Asyl bat.

Bei den germanischen Stämmen, insbesondere dem nordischen Zweig in Island, war es Sitte, sich durch Blutsbrüderschaften, die in einer feierlichen Priesterzeremonie geschlossen wurden, zu verbinden. Solch eine Vereinigung galt ein Leben lang und reichte bis in den Tod. Nicht nur das Recht, sondern die Pflicht zur Rache hatten dabei das Familienoberhaupt und alle waffentragenden Mitglieder des Verbundes, d. h. Frauen, Kinder oder Alte waren nicht dazu berechtigt. Gründe, um eine solche Blutrache auszuüben, waren hier nicht nur allein Mord oder Totschlag, es reichten schon Ehrenkränkungen, Körperverletzung, Ehebruch oder Diebstahl aus. Die Vergeltung erstreckte sich in blutiger Erbarmungslosigkeit auf den Täter, sowie dessen ganze Familie aus und reichte hin bis zur entgültigen Ausrottung der gesamten Sippe.

Blutsbrüderschaften waren und sind nach wie vor in West- und Ostafrika, sowie in verschiedenen slawischen Regionen verbreitet.

Die Blutrache im Mittelalter

Die Blutsbrüderschaften, sowie das Prinzip der Selbstjustiz, wurde von den germanischen Gesetzen bis ins Mittelalter übernommen. Hier unterschied man zwischen der Blutrache, die vom gemeinen Volk untereinander ausgeübt wurde und der Ritterlichen Fehde, die wiederum durch das Fehderecht geregelt wurde. Die damaligen Gerichte versuchten die endlosen Rachemorde innerhalb verschiedener Sippen, die oft über Generationen geführt wurden, durch die Einführung von Geldstrafen zu unterbrechen. Dies wurde jedoch oft abgelehnt, da man es als offene Kränkung empfand, den Tod eines Familienmitglieds mit Geld aufwiegen zu lassen. Auch die Kirche bemühte sich, durch den sogenannten Gottesfrieden der Blutrache Einhalt zu gebieten. An vier Tagen in der Woche, nämlich von Mittwoch abend bis Montag morgens mußte jede Fehde ruhen. Nach anfänglichen Erfolgen kehrte man jedoch zum willkürlichen Faustrecht zurück. Im 13. und 14. Jahrhundert bemühten sich die Kaiser um die völlige Beseitigung der Blutrache, was jedoch in den Anfängen nicht gelang. Erst der Mainzer Landfriede war die erste gesetzliche Regelung, die der Blutrache feste Einschränkungen gebot. So mussten der Fehde eine formelle Ankündigung vorangehen und bestimmte Personenkreise waren von der Blutrache völlig ausgeschlossen, wie zum Beispiel Schwangere, Kleriker, Kranke und Kaufleute samt ihrem Hab und Gut.

vendetta demo

Die Vendetta der heutigen Zeit

Noch in den späten Jahren des 18. Jahrhunderts war die Vendetta in Korsika so verbreitet, das man im Jahr bis zu 1000 Blutrache-Opfer zählen konnte. In Arabien, Afrika, der Türkei und Teilen Albaniens ist die Vendetta immer noch weit verbreitet und gerät als sogenannte Ehrenmorde in die Schlagzeilen. Man zählt hier etwa ein bis zwei Opfer pro Jahr, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher liegt.

Besonders auf dem Balkan gilt in einigen entlegenen Regionen noch die Auslegung des Kanun, dem Gegenstück des frühzeitlichen Talion.

„Die geraubte Ehre kennt keine Buße. Sie kann nicht verziehen werden. Die geraubte Ehre wird nur durch das Vergießen des Blutes gerächt,“ so eine Zeile daraus. Viele Kinder haben seit dem Zeitpunkt, an dem ihre Familie unter den Blutbann geriet, das elterliche Haus nicht verlassen, denn würden sie es tun, wären sie Freiwild für die Selbstjustiz der verfeindeten Sippe.

Im Zuge der Migration bringen Einwanderer, für die die Regeln der Blutrache einen wichtigen Stellenwert einnehmen und die andere Ansichten über Familie und Ehre führen, auch die Vendetta in Form von Ehrenmorden und Selbstjustiz ins westliche Europa. Da die Blutrache wie eine Form der Religion bewahrt wird, ist eine völlige Ausrottung auch in der modernen Gegenwart ausgeschlossen.